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Rekordverdächtige Entwicklung der Zahl an
Insolvenzen weltweit
Konjunkturell schlechte Phasen sind grundsätzlich durch eine
steigende Anzahl an Konkursen gekennzeichnet, jedoch sind die Folgen der
weltweiten Finanz- und Kreditkrise nicht mit früheren Abschwung- oder
Rezessionsphasen zu vergleichen. Obwohl man bekanntlich keiner Statistik glauben
sollte, die man nicht selbst gefälscht hat, dennoch ein
eindrucksvoller Beleg: Bereits in den ersten beiden Kalendermonaten des
Jahres 2009 meldeten weltweit mehr Firmen Insolvenz an als zusammengerechnet
während der beiden Kalenderjahre 2006 und 2007. Dabei liegt auf der Hand, dass
in vielen Fällen die Gläubiger
auf ihren Forderungen sitzen
bleiben, die Summe dieser Forderungen dürfte rund 500 Milliarden Dollar
betragen. Die aktuelle Pleitewelle ist dadurch gekennzeichnet, dass auch viele
Traditionsunternehmen und Branchengrößen betroffen sind. Ein Bericht der
Ratingagentur Standard & Poor's von Ende Februar verzeichnet bereits 31 Konkurse
von Großunternehmen weltweit, davon allein 23 in den USA.
Die meisten Namen dürften interessierten Zeitgenossen bekannt
sein, beispielsweise musste der Speicherchiphersteller Qimonda genauso Konkurs
anmelden wie der Unterwäschekönig Schießer oder der Modelleisenbahnbauer
Märklin. Bekannte amerikanische Firmen, welche den Insolvenzweg antreten
mussten, sind der Einzelhändler Circuit City oder der Medienkonzern Tribune,
auch der Großinvestor Donald Trump blieb nicht verschont, Trump Entertainment
war nicht mehr zu retten. Negative Schlagzeilen überschatten während der
vergangenen Wochen insbesondere die US-Autobranche, General Motors, Chrysler und
Ford sind auf staatliche Hilfen ungeheuren Ausmaßes angewiesen. Von der nach wie
vor unklaren Lage bei General Motors ist insbesondere der deutsche
Automobilhersteller Opel betroffen, dessen Zukunft ungewisser ist denn je. Der
erwähnte S&P Bericht weist darauf hin, dass insbesondere Unternehmen mit einer
hohen Schuldenlast der Pleitewelle zum Opfer fallen. Auch die Ausfallrate bei
Firmen mit spekulativer Bonitätsnote nimmt aktuell zu, allerdings ist sie im
Verhältnis nicht so schlecht wie bei den vermeintlich sicheren Branchengrößen.
Für das Jahr 2009 wird in jedem Falle mit einem neuen Insolvenzrekord gerechnet,
die Ausfallrate dürfte auf nahezu 14 Prozent steigen (bisheriges Rekordjahr 1991
mit 12,5 Prozent). Schenkt man der Schätzung Glauben, so erwarten uns monatlich
17 große Unternehmenspleiten. Ein schlechtes Zeichen in diesem Zusammenhang ist
die stetige Zunahme der Firmen mit negativem Rating Ausblick. Diese werden von
S&P in der Rubrik "Weakest Links" geführt.
Was die konkreten
Auswirkungen auf den
Kreditmarkt anbetrifft, so ist eine verstärkte Zurückhaltung der ohnehin
angeschlagenen Bankenbranche insbesondere im Investitionskreditbereich zu
befürchten. Von einer "Kreditklemme", von der an manchen Orten bereits die Rede
ist, kann aktuell zwar noch nicht gesprochen werden, förderlich ist die
momentane Pleitewelle aber ohne Zweifel nicht. Zudem haben die nationalen
Notenbanken das Zinsinstrument mittlerweile so gut wie ausgespielt, was die
Weitergabe der Maßnahmen an den Endkunden anbetrifft sind nun die Banken am Zug.
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